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Dienstag, 15. März 2016

Mandalay und Umgebung

Mein nächstes Ziel war Mandalay, ebenfalls eine ehemalige Hauptstadt. Schon interessant, dass die meisten der Städte, welche ich besuche ehemals eine Hauptstadt waren. Dies hängt wohl mit der Tradition der Könige zusammen bei Regierungsantritt die Hauptstadt zu verlegen, um so einen Neuanfang zu schaffen. So wurde 1857 auf Geheiß von König Mindon der Grundstein für Mandalay gelegt. Und 2 Jahre später wurde es zur neuen Hauptstadt des Reiches.  Allerdings blieb sie dies nicht lange, da Mandalay bereits 1885, unter Mindons Nachfolger König Thibaw, von den Briten erobert und ins Britische Empire eingegliedert wurde.

In mitten der Stadt befindet sich das riesige Palastgelände, welcher sich auf eine Fläche von 2km x 2km erstreckt und durch eine 8m hohe Mauer und einen 52m breiten Wassergraben vom Rest der Stadt getrennt ist. Es wird gerne als Stadt in der Stadt bezeichnet. Allerdings ist vom einstigen Glanz und Reichtum vom Königspalast nicht mehr allzuviel übrig. Denn nach Einnahme der Stadt und der damit einhergehenden Plünderung der Palastanlage, wurden Großteile vom Palastareal für Militär und Verwaltungsgebäude genutzt. Und dies ist auch noch heute so. 
Innerhalb der Mauern ist nur eine Rekonstruktion der Palastgebäude für Besucher zugänglich. Diese erinnert aber nur schwach an den ehemaligen Reichtum. Denn nachdem 1945 die gesamten Palastgebäude niederbrannten wurden sie ohne Vergoldungen und aufwendige Verzierungen wieder neu errichtet. Man kann sich aber aufgrund von Beschreibungen ausmahlen wie es einst ausgesehen haben muss.

"Der Saal war erfüllt von geschäftigen Lärm, einem emsigen Summen, das sich zusammensetzte aus Schneiden und Hämmern, aus Brechen von Holz und Zerschlagen von Glas. Überall waren Menschen eifrig an der Arbeit, Männer und Frauen, bewaffnet mit Beilen, und taten das: Sie zerhackten mit Juwelen besetzte Kästchen, brachen Edelsteine aus dem verzierten Marmorboden, kratzten mit Hilfe eines Angelhakens Elfenbeinintarsien aus Truhen."
Schilderung über Plünderung nach dem erzwungenen Auszug von König Thibaw aus
Der Glaspalast, von Amitav Ghosh

Einen schönen Ausblick über die Stadt hat man vom Mandalay Hill. Der, aufgrund der heißen Temperatur, beschwerliche Aufstieg über 934 Stufen wird mit einem Panoramablick in alle Richtungen belohnt. Der Königspalast, die Stadt, Pagoden und Tempel, aber auch Natur sind von hier oben gut zu sehen. Während des Aufstieges kommt man an mehreren Schreinen und Figuren vorbei und auch auf dem Gipfel erwartet einen die Two Snake Pagode.




Nachdem ich mir einen Überblick über Mandalay verschafft hatte, wollte ich natürlich auch einige beeindruckende Pagoden und Tempel besuchen. 
Die Kuthodaw-Pagode beherbergt das "größte Buch der Welt". Auf 729 Marmortafeln, welche einzeln durch kleine Pagoden geschützt sind, ist die buddhistische Lehre niedergeschrieben. Wer hier jeden Tag rund 8 Stunden liest, würde ungefähr 450 Tage benötigen, um das Werk einmal durchzuarbeiten. Seit 1900 existiert auch eine gedruckte Fassung des steinernen Orginals, welche aus 38 Bänden, mit jeweils 400 Seiten besteht.



In der Mahamuni-Pagode steht die am meisten verehrte Figur Myanmars. Es handelt sich um eine 3,8m hohe sitzende Buddhafigur aus Bronze. Vom Bronze ist allerdings nicht mehr viel zu sehen, da täglich männliche Gläubige her pilgern, um den Buddha mit Blattgold zu schmücken. Das Gewicht des angebrachten Blattgoldes wird mittlerweile auf mehrere Tonnen geschätzt, an der Brust soll es 35cm dick sein. Auf der Stirn trägt die Mahamuni-Statue mehr Rubine, Saphire und Diamanten als jedes andere gekrönte Haupt der Welt. 



Zur Tempelanlage gehören mehrere 800 Jahre alte Khmer Figuren aus Bronze, bei denen es laut Volksglauben, Heilung verspricht, wenn man das betroffenen Körperteil der Bronzefigur reibt. Da vor allem auch der Bauch sehr abgerieben ist, bin ich wohl nicht der einzige der ab und zu von dem Essen hier etwas Magenschmerzen bekommt.

Neben mehreren Pagoden besuchte ich auch mehrere ehemalige buddhistische Klöster, sie werden heute nicht mehr von Mönchen bewohnt.
Das Shwenandaw-Kloster war einst Teil des Königspalastes, ehe es König Thibaw den Mönchen stiftet. Das Kloster befindet sich aber nicht, wie jetzt der ein oder andere denken könnte, innerhalb des Königspalastes. Da es komplett aus Teakholz besteht wurde es komplett auseinander gebaut und außerhalb wieder zusammengesetzt. Es ist damit der einzige Teil des Königspalastes, der das große Feuer über lebte. Das Kloster ist über und über geschmückt mit Verzierungen, Nat-Figuren oder Szenen aus dem Leben Buddhas. 

Direkt neben diesem liegt das Atumashi-Kloster, welches einst eines zu den außergewöhnlichsten Bauwerken Südostasiens galt, aber 1890 bis auf die Balustraden und Treppenaufgänge niederbrannte. Die Rekonstruktion erinnert nur schwach an das einstige Original. Dennoch ist es ein imposantes Gebäude, welches vor allem aufgrund des schattigen und kühlen Erdgeschosses zur Besichtigung einlädt.

Um Mandalay gibt es eine Vielzahl von Zielen, welche mit einen Besuch locken. Ich entschied mich Amarapura und Monywa zu besichtigen. 
Amarapura ist nicht mal eine einstündige Busfahrt von Mandalay entfernt. Hier begleitet ich einen Mönch, den ich während meiner Besichtigungstour kennengelernt hatte. Amarapura besitzt einige Pagoden, wobei wir uns nur die Kyauktawgyi-Pagode anschauten. In dieser findet sich neben einer großen Buddhafigur, Figuren der 88 Schüler Buddhas. 

Bekannt ist Amarapura aber vor allem für die weltbekannten U Bein-Brücke. Dies ist die längste Teakholzbrücke der Welt. Sie führt über den Taungthaman-See. 


Es war ein beeindruckendes Erlebnis hier den Sonnenuntergang zu betrachten oder zwischen all den Menschen über die Brücke zu schlendern. Kurz vor Sonnenuntergang pilgern Massen von Touristen mit Bussen hier her, was ein wenig die schöne Stimmung genommen hat. Dennoch ein sehr schöner Abend.






Monywa erreichte ich mit einer 3-stündigen Busfahrt. Wobei ich nicht wirklich in die Stadt fuhr, sondern kurz vorher aus dem Bus ausstieg. Denn ich war nicht wegen der Stadt hier, sondern wegen der außerhalb gelegenen Thanboddhay-Pagode. Diese beeindruckende Tempelanlage umfasst 582.357 Bildnisse Buddhas und die Terrasse ist mit 471 Stupas geschmückt. Auch sonst unterscheidet sich dieses Pagode deutlich. Denn sie ist teilweise sehr bunt bemalt, was ich so noch nicht gesehen habe.





 Zur Anlage gehört auch ein etwas skurril wirkender Aussichtsturm, welcher über eine Wendeltreppe erklommen werden kann. Wie auch sonst überall in Myanmar, darf er nur barfuß bestiegen werden. Da durch die starke Sonne die Steinstufen ordentlich aufgeheitzt sind, ergibt sich für das alte Kinderspiel, der Boden ist Lava eine neue Bedeutung, "Was nicht Schatten ist, ist Lava!". Dies ist hier bei einer Vielzahl von Pagoden, Tempel und Ruinen der Fall und manchmal komme ich mir wirklich vor, als würden meine Füße auf dem heißen Boden backen.

Nur wenige Kilometer von der Tempelanlage entfernt, befindet sich die Bodhi Tataung-Pagode. Dies ist ein 90m langer liegender Buddha, der von innen begehbar ist.

 Ebenso begehbar ist die 116m hohe stehende Buddha, Lay Kyun Sat Kyar. Es ist der zweithöchste Buddha der Welt. Leider hat man keine Möglichkeit den Ausblick aus der 31-stöckigen Statue zu genießen, da die Fenster undurchsichtig sind.



 Neben diesen beiden beeindruckenden Bauwerken existieren noch weitere und es sind weitere im Bau, sodass hier ein ganzer Tempelkomplex entsteht.
Die Rückreise nach Mandalay gestaltet sich etwas schwieriger als erwartet, da meine Besichtigung länger dauerte als gedacht und der letzte Bus, die Kreuzung wohl schon passiert hatte, es war ja keine offizielle Bushaltestelle. Aber nach einigem warten, konnte ich die 3-stündige Rückfahrt auf dem Dach eines Vans genießen.



Nay Pyi Taw

Nay Pyi Taw, seit dem 06. November 2011  neue Hauptstadt Myanmars, war über Jahre ein riesiges geheimes Bauprojekt der Regierung. In Myanmar ist es königliche Tradition Hauptstädte zu verlegen, weswegen es in der Vergangenheit auch schon viele Umzüge der Regierungszentren gab. Seit dem Jahr 2000 wurde heimlich aus dem Dorf Kyet-Pyay die Stadt Nay Pyi Taw erschaffen. Der Name bedeutet "königliche Stadt". Die Fläche der Stadt ist 8 mal so groß wie die Fläche Berlins es wohnen aber nur 1,2 Millionen Menschen dort, sodass man sich hin und wieder wie in einer Geisterstadt vorkommt. Die Stadt ist in verschiedene Zonen eingeteilt. Eine für Hotels, eine für Regierungsgebäude,...

Da es in Nay Pyi Taw nicht allzuviel für Touristen zu sehen gibt kommen hauptsächlich Geschäftsreisende her und dementsprechend sind auch die wenigen Hotels beschaffen und entsprechend teuer. Sodass für mich eine Übernachtung keine  Option darstellte.
Es folgt ein kurzer Bericht über die Busfahrt. Denn das stellt sich im Vergleich zu anderen Länder in Südostasiens immer wieder als Herausforderung und Abenteuer da. Oft ist man auf englischsprachige Einheimische Mitfahrer angewiesen.

Ich startete  morgens früh um 6 Uhr aus Pyay. Die Busfahrt sollte 6h dauern, danach wollte ich die Stadt kennenlernen und abends dann weiter fahren. Die Strecke die der Bus fuhr war landschaftlich interessant aber über auch anstrengend für Bus und Insassen. Beständig ging es Berge hoch oder runter und fast ausschließlich Serpentinen. Nach 3h Fahrt stellte man fest, dass der Bus wohl die nächsten 3h Fahrt nicht über stehen würde, sodass ein neuer Bus kommen musste. Dieser startet dann wieder aus Pyay und ich war für 3h irgendwo im nirgendwo gestrandet, mit nur einer einzigen Person die ein paar Wörter Englisch konnte :D
Auf der weiteren Fahrt musste noch ein Stopp eingelegt werden, da der Motor zu heiß wurde. Aber nachdem man den kompletten Auspuff abgebaut hatte ging es weiter. Gegen 16 Uhr erreichte ich schließlich Nay Pyi Taw, mit 4h Verspätung. Mithilfe des englischsprechenden und sehr hilfsbereiten jungem Mann aus dem Bus, war nach einigem Hin und Her eine Weiterfahrt für 22 Uhr ausgemacht. Er half mir auch eine Motorradtaxi Fahrer zu finden, dem ich mithilfe von Fotos auf meinem Handy zeigen konnte, was ich sehen wollte. Es waren über 100 Leute an dem Busbahnhof und es gab ca. 30 Ticketschalter (jedes Busunternehmen besitzt eigene), aber niemand sprach ein Wort Englisch, sodass es ohne Hilfe schwierig gewesen wäre jemandem klar zu machen, dass ich mein Gepäck für einige Stunden gerne hier lagern wollte.

Nun aber zu Nay Pyi Taw:
Generell sind die Dimensionen gigantisch. Die großen Straßen sind 16-spurig und vor der dem 
Regierungssitz sogar 20-spurig. Nur das diese unnatürlich großen Straßen kaum jemand befährt. 





Das Regierungsgebäude ist ein beeindruckender Palast, welcher leider nur mit Genehmigung am Wochenende besichtigt werden kann, sodass nur ein Foto von der Ferne aus möglich war.



Ich besuchte die beeindruckende Uppatasanti-Pagode, welche der Shwedagon-Pagode in Yangon nachempfunden wurde. Sie ist nur 30 cm kürzer. 


Von der Plattform aus hat man einen ausgezeichneten Ausblick auf die Stadt, bzw. das Stadtgebiet. Denn dieses wird beherrscht von riesigen Grünflächen, welche meist nur durch die Straßenzüge geteilt werden. Einzelne Gebäude und Blöcke stehen unzusammenhängend an den Straßen.

Eine der Hauptattraktionen der Stadt ist der riesige Water Fountain Garden, welcher von den Einheimischen gut besucht war. Hier kühlte ich im Wasser etwas ab.



Der Klassiker: Ich werde gebeten mit einzelnen Familienmitgliedern Fotos zu machen. Man drückt mir sogar die Kinder auf den Arm :D

Bevor es abschließenden in eine Mall ging. Dort schlenderte ich ein wenig durch die Geschäfte und aß in einem Restaurant.
Mit einem Nachtbus ging es um 22 Uhr weiter nach Mandalay.

Sonntag, 13. März 2016

Pyay & Sri Ksetra

Pyay  ist als Ziel vor allem durch die Nähe zu dem UNESCO Weltkulturerbe Sri Ksetra interessant. Die von den Einheimischen meist nur Ancient City genannte Ruinen sind weit über tausend Jahre alt. Einst war es die Hauptstadt und größte Stadt der Pyu und über 600 Jahre bis 832n.Chr. Machtzentrum der Region. Es sind zwar nur noch einige imposante Bauten und Ruinen übrig, dennoch lohnt sich der Besuch.




Die Payagyi-Pagode gilt als eine der ältesten Pagoden des Landes.



Doch auch in Pyay habe ich eine Sehenswürdigkeit besuchen können. Neben einem Reiterdenkmal von General Aung San gibt es die Shwesandaw-Pagode. 
Sie wird bewacht von zwei großen chinthes, dem mythologischen Löwen als Tempelwächter. Leider befand auch diese sich in Restaurierungsarbeiten, sodass der Stupa komplett verhüllt war.



Irgendwie war auch eher ich die Hauptattraktion in der Pagode. Immer wieder wurde ich gebeten mit den Einheimischen ein Foto zu machen. Nach Pyay kommen aber auch nicht viele Touristen.
Von der Terrasse der Pagode bietet sich ein guter Blick auf den Sehatgyi Buddha, einen großen zehnstöckigen Buddha.



In dem Bus auf dem Weg nach Pyay hatte ich das Glück einen Einheimischen mit guten Englischkentnissen kennenzulernen. Mit ihm und Freunden von ihm verbrachte ich einen Nachmittag an einem öffentlichen Schwimmbecken.Bei 37°C und knallender Sonne das einzig richtige was man tun kann! Dabei gab es kühles Bier aus einem Tower. Abends sind wir noch zusammen was Essen gegangen. 




Es war sehr interessante Locals so gut kennenzulernen. Wobei erwähnt sein sollte, dass von den 6 Männern nur 2 Englisch sprachen. Die Offenheit, Herzlichkeit und Gastfreundschaft beeindruckt mich hier immer wieder. So bestanden man am Swimming Pool trotz längerer Diskussion darauf mein Bier zu bezahlen.
Weiter geht es für einen kurzen Abstecher nach Nay Pyi Taw, die Hauptstadt von Myanmar. 

Bago

Mein nächstes Ziel war Bago. Bago war einst die Hauptstadt der Mon, eine Volksgruppe, die als eine der ersten in Myanmar nicht nur einfache Siedlungen sondern erste Stadtverbände und später einen zusammenhängenden Staat gründete.
In Bago gibt es eine Vielzahl von Sehenswürdigkeiten zu betrachten. Die imposanten Bauten stammen aus verschiedenen Epochen und wurden von verschiedenen Herrschern errichtet.

Die vier Buddhas von Kyaikpun wurden 1476 von König Dhammazedi errichtet. Hier sitzen die vier Buddhas: Gautama, Konagamana, Kakusandha Kassapa Rücken an Rücken und blicken in die vier Himmelsrichtungen und warten auf den kommenden Buddha.

Der Shwethalyaung-Buddha gilt als der schönste liegende Buddha des Landes. Er zeigt Buddha wie er ins Nirvana eintritt, im Moment seines Todes. Er ist 50m lang und 16m hoch.



Kha Khat Wain Kyaung ist ein Kloster, welches über 1000 Mönche beherbergt. Es kommen viele Gläubige und unzählige Touristen zu der Speisung der Mönche. Dabei durchlaufen die Mönche einen Gang aus Menschen in dem sie Snacks und andere Präsente unerreicht bekommen. Danach speisen die Mönche gemeinsam in einem großen Saal.





Die Shwemadaw-Pagode beherbergt den höchsten Stupa des Landes. Er misst 114 Meter. Leider befand sich die Vergoldung des Stupas gerade in Restaurierung, sodass der große Stupa teilweise von Bambusgeländern verdeckt war. Dennoch war die Größe sehr beeindruckend.

Auch Gyi Taw ist ein Kloster. Es beherbergt eine 40 Jahre alte und knapp 6 Meter lange Python. Diese wird als Reinkarnation Buddhas verehrt.

Nach der Besichtigungstour mit einem Motorradtaxi ging es noch am selben Abend weiter nach Pyay.


Hier noch ein paar Schnappschüsse:



Samstag, 12. März 2016

Myanmar - Yangon

Meine nächste Reise führt mich nach Myanmar. Myanmar, Burma, Birma hatte schon verschiedene Namen und ich schätze es als exotisches Reiseziel ein. Warum? Ganz einfach es kommen noch nicht so viele Reisende hier her. Die Tourismusbrauche wie auch vieles anderes befindet sich im Umbruch.
Seit 2010 ist die Militärdiktatur überwunden und es fanden erstmals freie Wahlen statt. Seit 2013 ist auch eine Ein- und Ausreise über Land möglich und man ist nicht mehr an die Flughäfen gebunden. Das Land öffnet sich langsam.
Während es in Thailand schwierig ist den Touristen- und Backpackerströmen zu entkommen, muss man hier einfach ein paar Schritte durch die Stadt gehen. Weg von den klassischen Touristenattraktionen und man wird stundenlang keinen anderen Reisenden aus dem Westen treffen.
Gestartet bin ich wie immer in Frankfurt. Dieses mal ging es mit Qatar Airways über Doha nach Bangkok. In Bangkok bin ich in Thailand eingereist und habe den Flughafen gewechselt (in Bangkok gibt es 2 Flughäfen und Kurzstrecken werden von AirAsia günstig am kleineren angeboten) und nach nicht mal 3h offiziellem Aufenthalt bin ich wieder ausgereist. Weiter ging es mit einem Flieger nach Yangon.

Da tauchte ein goldenes Mysterium am Horizont auf, ein funkelndes, großartiges Wunder, das in der Sonne glänzte...
" Das ist die alte Shwedagon-Pagode", sagte mein Gefährte. Und die goldene Kuppel sagte zu mir: "Das hier ist Birma, ein Land das anders ist als alle anderen, die du kennst."
Rudyard Kipling, Briefe aus dem Orient, 1898

Yangon oder zeitweise auch Rangoon, war bis 2006 Hauptstadt von Myanmar und ist die größte Metropole des Landes.
Rangoon wurde sie während der britischen Kolonialzeit genannt. Den Briten sind einige beeindruckende Kolonialbauten zu verdanken. Wobei davon leider viele völlig verrotten und verfallen, da zur Sanierung einfach das Geld fehlt. Denn Myanmar ist eines der ärmsten Länder der Welt. Dies merkt man schnell an den Preisen, wenn man sich durch die Stadt bewegt, Bus und Bahn fährt oder etwas isst und trinkt.
Eine kurze Busfahrt in der Stadt kostet 200 Kyat, eine mehrstündige Zugfahrt 1200 Kyat, Essen von einer Straßenküche zwischen 400 und 3000 Kyat, ein Myanmar Bier 800 Kyat und eine kürzere Taxifahrt 2000 Kyat.
Nur zur Information 1€ sind 1300 Kyat.
Doch gleichzeitig sind die Einwohner sehr herzlich, offen und freundlich. Man wird überall angelächelt und angesprochen obwohl das Englisch meist auf wenige Wörter begrenzt ist. Selbst in der ärmsten Vierteln freuen sich alle einen "western guy" zu sehen. Die Kinder lachen, zeigen auf einen und laufen einem immer ein Stück hinter her.
Sehr interessant ist ebenfalls der Straßenverkehr.
In Myanmar gilt Rechtsverkehr. Dies war aber nicht immer so. 1948 wurde Birma von den Briten in die Unabhängigkeit entlassen, der Linksverkehr, den die Briten eingeführt hatten blieb aber. 1970 hatte der damalige Präsident Ne Win dann einen Traum, der von seinem persönlichen Wahrsager als Zeichen für einen notwendigen Wechsel zum Rechtsverkehr gedeutet wurde. Sodass ein Gesetz erlassen wurde und schlagartig von Links- zu Rechtsverkehr gewechselt wurde. Aufgrund dieses Ereignisses und da die meisten Autos aus Japan importiert werden gilt zwar Rechtsverkehr, doch der Fahrersitz ist meist auf der rechten Seite des Autos. Sodass eigentlich jedes Auto alle 5 Sekunden hupt.
Man hupt als Ankündigung das man überholt, man hupt während man überholt, sodass der andere nicht auch die Spur wechselt, man hupt wenn Roller, Fahrräder oder Fußgänger voraus sind (auch wenn mehr als genug Platz zum vorbeifahren ist), man hupt wenn die Ampel grün wird, man hupt bevor man abbiegt und manchmal habe ich das Gefühl die hupen hier ab und zu auch nur zum Spaß.
Nun aber zu Yangon. Ich habe im Internet gelesen, das unweit des Flughafens eine Bushaltestelle ist von der aus die Nummer 43 in der Nähe meines Hostels hält. Wenn ich so eine Information habe nehme ich natürlich nicht ein Taxi in die Stadt. Wobei ich der einzige war der den Flughafen nicht mit einem Taxi verlassen hat und die Blicke der Myanmarer waren etwas verwundert. Nach einigem Suchen und Fragen fand ich auch die Bushaltestelle, wobei sich hier ein neues Problem darstellte, die Busse waren nicht mit mir bekannten Zahlen nummeriert, sondern es lehnte der Buskassierer aus der Tür und brüllte lauthals das Ziel des Busses heraus. Nach einigem Durchfragen bin ich aber schließlich angekommen. 

Am ersten Tag besuchte ich die Sule Pagode, sie ist direkt auf einem Kreisel errichtet, bzw.  eine Straße um sie herum und sie befindet sich direkt im Zentrum von Yangon.
Ganz in der Nähe der Sule Pagode befinden sich einige Gebäude aus der Kolonialzeit, besonders beeindruckend ist die City Hall.

Am Abend gab es noch ein paar Bier in einer Karaoke Bar, wobei diese nichts mit einer mir bekannten Karaokebar zu tun hatte. Es konnten keine Gäste singen, sondern es gab Angestellte die Myanmar`s Schlagerhits zum Besten gaben. Nach jedem Song gab es eine kleine Fashionshow, bei der ca. 6 Mädchen/Frauen über einen Laufsteg marschierten. Das ganze war mir etwas suspekt, zudem das Mädchen aus der Gruppe mit der ich unterwegs war, die einzige weibliche Person vor Ort war, die dort nicht arbeitete und wir mehrfach aufgefordert wurden keine Fotos von der Bar zu machen.

Am nächsten Tag teste ich das innerstädtische Zug fahren aus. Durch die Stadt fährt eine "Kreisbahn", sodass man theoretisch eine Stadtrundfahrt mit Besichtigung von außen gelegenen Bezirken problemlos mit diesem Zug machen könnte. Allerdings ist der Zug nicht schneller als ein Fahrradfahrer und für einen Circle braucht er 3h.



Um der Großstadt etwas zu entkommen, kann man einfach in einen der Parks gehen. Dort picknicken die Einheimischen mit ihren Familien und entspannen am See.
Bekannt ist Yangon für das Nationalheiligtum, die Shwedagon-Pagode, welches ich natürlich auch besucht habe.



Es ist eine der beeindruckensten Tempelanlagen die ich je besucht habe. Mit einer Höhe von bis zu 100m ist sie zwar nicht die höchste Pagode Myanmars aber die größte. Der Hauptstupa besitzt einen Umfang von 433m und ist mit 100 kleineren Pagoden, Glocken und Verzierungen geschmückt. Es befinden sich unzählige Buddhafiguren, einige Schreine und Bildnisse über die Tempelanlage verteilt. Generell ist alles vergoldet und mit Edelsteinen besetzt. Das Gold wird alle 3 Jahre komplett entfernt und neu angebracht.




 Der Eingang wird von zwei Löwen bewacht, die der Prinz der Legende nach aus Trauer errichten ließ. Er wurde als Kind von eben diesem verschleppt und aufgezogen. Später kehrte er an den Hof zu seinem Vater zurück, der ihm auf trug den Löwen zu töten. Nach der Tat bereut dies der Prinz so sehr, dass er vor alle Tempeln dem Löwen ein Denkmal setzte.

Den Sonnenuntergang kann man in der Pagode wunderbar verfolgen, dabei verdunkelt sich der Tempel, bevor er wieder in leuchtendem Gold erstrahlt, da er abends durch Lichter und um den Hauptstupa herum verteilte Feuerschalen in Szene gesetzt wird.






Ich weiß noch nicht ob und wie ich Fotos hochladen kann, da die Hostels hier nicht wie sonst oft in Südostasien einen Computer zur Nutzung haben. Aber ich werde bei Gelegenheit sicher eine Möglichkeit finden.
Soweit erstmal von mir zu Yangon!
Grüße an alle zuhause und Save travels an den Rest der Welt!